19.06.2012 - Meinung eines IG-Mitglied

Zwang, Nötigung, Desinformation und unlautere Versuche... Diese Politik lässt sich nicht schönreden !

Dass der Taxiruf (TR) zu den Veränderungen bei den Fahrerschulungen ein Info-Schreiben an die Kolleginnen und Kollegen verfasst hat, ist zu begrüßen. Es ist bekanntlich eine der Forderungen der IG, die Fahrer betreffende Belange zu kommunizieren, und diese nicht ohne die nötigen Informationen und Erklärungen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Man könnte hier eine echte Stiländerung des TR vermuten, die Hoffnung machen könnte.

 

Auch die Tatsache, dass den sog. “Fahrerschulungen” zunächst der Zwangscharakter genommen worden ist und der TR endlich zu der Einsicht gelangt ist, dass Lernen (…) eine freiwillige Sache ist, könnte zunächst einmal Mut machen.

 

Wenn man sich nun das Info-Schreiben des TR in aller Ausführlichkeit zu Gemüte führt, wird man jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Schreiben strotzt nur so vor Selbstbeweihräucherung angesichts der vermeintlich positiven Entwicklung der sog. “Fahrerschulungen”:

 

- ca. 400 Kollegen haben bislang teilgenommen, und sich in anonym abgegebenen Bewertungen (…) zu über 90% positiv geäußert. Unter welchen Bedingungen haben die Kollegen diese Schulungen besucht ? Wurde da nicht gedroht mit Entzug des Service-Taxi-Status und Geld von den Fahrern verlangt ? Wurden nicht Fahrer gesperrt, die sich dieser unwürdigen Prozedur nicht unterwerfen wollten ? Und was sind das schon wieder für willkürliche Zahlenspiele: die Befürworter der Schulungen warten wahrscheinlich nicht auf den letztmöglichen Termin, andere Fahrer wollen nur ihrer Arbeit nachgehen und keinen Stress haben, und viele können es sich einfach nicht leisten, das Risiko eines Entzuges des Service-Taxi-Status einzugehen.

 

- Auch die Resonanz aus der Bevölkerung ist positiv. Im Beschwerdemanagement zeigt sich, dass enttäuschte Fahrgäste die Weiterbildungsmassnahmen des Fahrpersonals nicht nur begrüßen, sondern für längst überfällig halten. Also, die Bevölkerung, das sind die Kunden, die Blödes erlebt haben und sich beschweren !? Die Presseartikel, die alle recht deutlich auf Seiten des drangsalierten Fahrpersonals standen, spielen in der Wahrnehmung des TR offenkundig keine Rolle. Dass Fahrgäste, die Grund hatten, sich zu beschweren, irgendwelche Weiterbildungsmassnahmen gutheißen (ohne ihre Qualität, Sinnhaftigkeit und ihren Nutzen überprüfen zu können und wollen), liegt in der Natur der Sache. Das hat jedoch mit einer allgemeinen Zustimmung seitens der Bevölkerung rein gar nichts zu tun.

 

Und was heißt hier eigentlich “Beschwerdemanagement”: wird beim TR tatsächlich erfasst, welcher Art die eingehenden Beschwerden sind, ihre Berechtigung überprüft, registriert, wer Adressat dieser Beschwerden ist, und wird den einzelnen Fällen dann mit der gebotenen Sorgfalt nachgegangen ? Wenn ja, dann wüsste auch der TR dass “Schulungen” nach dem Gießkannenprinzip gar nichts, zielgerichtete Weiterbildung aber eine Menge bringen könnten.

 

Trotzdem gibt es immer noch Kritiker seitens der Unternehmer und der Fahrer. Trotz was ? Will uns der TR hier erneut für dumm verkaufen, oder sind Vorstand & Aufsichtsrat derart in ihre Politik verstrickt, dass sie die Realitäten nicht mehr realisieren können ? Sozusagen mit Blindheit geschlagen ?:

Lernen ist allerdings eine freiwillige Sache. Es muss uns gelingen ALLE von dem positiven Grund-gedanken und den Effekten der Weiterbildung zu überzeugen (…) heißt es im Info-Schreiben weiter. In der Praxis der vergangenen Monate ging es um Zwang, Nötigung, Desinformation, und unlautere Versuche, einzelne Fahrer und Unternehmer in ihrer Kritik ruhig zu stellen. Diese Politik lässt sich nicht schönreden !

 

Nach Ansicht des Vorstandes und des Aufsichtsrates macht es aber keinen Sinn, sich per Anwalt über diese Dinge, und u.a. Formulierungen des Gestattungsvertrages, zu streiten. Aha, und wie, bitte schön, soll sich ein weitgehend rechtloser Fahrer gegen diese Politik des TR zur Wehr setzen ? Gegen selbstherrliche Sanktionen, Sperren, Pausenregelungen, und den ganzen Müll, den der TR sonst noch so verbrät ? Diese “Dinge” können für den einzelnen Fahrer sehr schnell existenziell werden, die Formulierungen des Gestattungsvertrages sind der Knebel, mit dem der TR die Fahrer unter Druck setzen und zwingen will, dieses umstrittene “Schulungskonzept” mitzumachen. Also wahrlich keine Kleinigkeit !

 

Wir versprechen uns davon zufriedenere Kunden und somit zukünftig nennenswerte Umsatzzuwächse für unsere Kolleginnen und Kollegen wird als Begründung für die sog. “Schulungen” angeführt, und als Erklärung, warum sich Vorstand und Aufsichtsrat dem Ärger, Stress und persönlichen Anfeindungen überhaupt aus(setzt). Schon wieder dieses Blabla ! Wie kann man nennenswerte Umsatzzuwächse herbeidichten, nur weil Taxifahrer Schulungsmodule besuchen über Dinge, die ihre tägliche Arbeit ausmachen ? Wie kann man ernsthaft glauben, dass zur “Schulung” gezwungene Taxifahrer eine erhöhte Zufriedenheit der Kundschaft zur Folge haben ?

 

Wir wollen nicht die Hände in den Schoß legen wie andere Funkzentralen, nur weil Veränderung auch Ärger bedeuten kann. Wer sagt, dass der TR die Hände in den Schoß legen soll ? Ob andere Funkzentralen dies tun, keine Ahnung. Was hier suggeriert wird ist aber schon mehr als frech: der TR als missverstandener Modernisierer, der im Dienste der Kolleginnen und Kollegen nur Gutes tut. Nur kaum einer dankt es ihm. Armer Taxiruf.

 

Eine dürftigere und widersprüchlichere Begründung für dieses in Deutschland einmalige und vorbildliche Projekt wird sich so schnell nicht finden lassen! Obwohl, einmalig ist es ja - in seinem Zwangscharakter, in der Borniertheit und Selbstherrlichkeit seiner Begründung, in seiner offenkundigen Sinnlosigkeit (siehe unten).

 

Nun behalten also die bestehenden Gestattungsverträge (…) für ihre Laufzeit ihre Gültigkeit, und die Kollegen behalten somit auch ohne Schulung den - wenn vorhanden - eingetragenen Service-Taxi-Status. Erst nach Ablauf des Gestattungsvertrages wird der Kollege in einem neuen Gestattungs-vertrag zur Teilnahme an einer jährlichen Schulung zur Aufrechterhaltung des Service-Taxi-Status verpflichtet.

 

Da ist es ! Das ist es wieder, der Zwang, die Sanktion, der totale Widerspruch zum salbungsvollen Gelaber der vorherigen Zeilen!


Abschließend dokumentiert der TR die manifestierte Sinnlosigkeit des gesamten Projektes, in dem er erklärt, dass es so zur schrittweise Einführung der Schulungen in den nächsten fünf Jahren kommt. Fünf Jahre schrittweise Einführung plus weitere fünf Jahre, die man dann jeweils ein “Modul” pro Jahr besucht haben muss - in 10 Jahren sind wir also endlich die Taxifahrer, die wissen, wie man den Job vernünftig ausübt.

 

Na dann, Prost Mahlzeit ! Da kann auch Benjamin Franklin nicht mehr helfen.

 

Ein IG-Mitglied 

(Autor der Redaktion bekannt)


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